Solo für Licht 2011

Solo für Licht 2011 — Close your Eyes

April 2011
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Filmbild:1 Filmbild:2 Filmbild:3

Weekend / Vargtimmen / Data Fragments from a Rapid Decline / Brbel erzhlt einen Film / Urszene

Mo 4.4. / 21 Uhr / naTo
Eintritt: 5,50 / 4,50

WEEKEND
Deutschland 1930
Regie/Schnitt: Walter Ruttmann
Produktion: Reichsrundfunkgesellschaft u. Berliner Funkstunde
Ursendung: 13.6.1930 (Berlin)
Sprache: Deutsch
Laufzeit: 11 min

Walter Ruttmanns Film WEEKEND (D 1930, 11 min) steht am Beginn eines vllig neuen Genres: des poetischen Film-Essays. Ruttmann, ein Pionier der filmischen Poesie begriff die eigentliche Arbeit eines Filmemachers als das Schneiden und war somit in der Lage, vllig neue Zusammenhnge zu schaffen. Seine filmische Assoziationskette erweiterte den Kern des einzelnen Bildes und flocht es ein in die Dynamik der Gesamtkomposition und konnte somit die Gestalt einer Zeit, einer Idee, einer Gesellschaft reprsentieren. [] 1930 beauftragte der Berliner Rundfunk Ruttmann mit einer Ton-Dokumentation. In fnfzehn Minuten beschwor Ruttmann die Melodie des einfachen Berliner Lebens vom freitglichen Feierabend bis zum Montag, wenn die Wecker die noch ghnenden Sonntagsausflgler zur tglichen Schinderei riefen, herauf. Allerdings zeichnete er diesesessai sono nicht auf Platte, sondern auf Tonfilm auf. Dies ermglichte ihm technisch die notwendige Freiheit in seiner Arbeit, denn er bentigte mikroskopisch feine Minuten-cuts. Eine Schallplatte lie sich auf solche Weise nicht schneiden und das Magnetband war noch nicht verfgbar; nur der Ton-Film ermglichte ihm diese Flexibilitt. [...] WEEKEND ist unbestritten eine Ton-Montage. Aber auch wenn es kein Film im klassischen Sinn ist, so ist es doch ohne Zweifel die Arbeit eines Filmemachers. Auf BERLIN SINFONIE EINER GROSSSTADT, einen Stummfilm, und MELODIE DER WELT, seinen ersten Tonfilm, folgend, lt sich WEEKEND als logische Fortsetzung des ersten und Epilog des zweiten verstehen. [...] (1).

"Der viel sagende Titel Weekend ist sozusagen schon die Inhaltsangabe: Nur mit vor Ort aufgenommenen Geruschen wird der Ablauf eines Wochenendes von Samstag abend bis Montag morgen wiedergegeben, komprimiert auf 11 Minuten. Es ist ein akustischer Film ohne Bilder, in knstlerischer ebenso wie in technischer Hinsicht. Ruttmann selbst spricht von einer photographischen Hrkunst. Ruttmann setzt die Montage assoziativ ein, zum Beispiel im fast wrtlich zu nehmenden Ausklang des Wochenendes: erst das Klingen der Glser beim Prost, dann die Glocken der Tiere, schlielich die Glocken der Kirche, abends und nachts, morgens der klingelnde Wecker und der noch schleppende Neubeginn des Arbeitsrhythmus. Die Klangmontage von Weekend nimmt sowohl die Musique concrte (Pierre Schaeffer) in den 1950er Jahren vorweg als auch das Sampling der heutigen Technomusik." (2)

VARGTIMMEN
sterreich 2010
Regie: Georg Tiller
Kamera: Claudio Pfeifer
Musik: Lars Johan Werle
ohne Dialog
Laufzeit: 6 min

VARGTIMMEN ist die exakte und mit der originalen Tonspur versehene Rekonstruktion einer Sequenz aus Bergmans gleichnamigem Film aus dem Jahr 1968. Bild fr Bild wurden die Einstellungen nachgedreht, mit dem Unterschied, da es keine Schauspieler zu sehen gibt. In Folge dieser abwesenden Anwesenheit entsteht eine uerst bedrohliche Situation.
"Konzentriert sich Bergman in Vargtimmen auf die Gesichter der Menschen, fokussiert Tiller in seinem filmischen Experiment auf den Raum, die Natur. Die Kamera gleitet ber den kargen Landstrich, Steinplatten mit vielen Brchen und Spalten liegen in der Sonne, bilden einen harten Gegensatz zum samtigen, fast schwarzen Wasser.
In Bergmans Film spielt sich vor diesem Hintergrund ein albtraumhaftes Drama ab: ein Mann erschlgt wie im Wahn einen Jungen, lsst den leblosen Krper dann ins Wasser gleiten. Ohne die handelnden Personen wird der Raum bei Tiller selbst zum Akteur. Die Kamera untersucht den Ausschnitt der Kste aus immer neuen Blickwinkeln, nimmt den Horizont malerisch ins Bild, dann ragen die Felsen wieder bedrohlich in den Himmel. Durch die Musik bekommen die Aufnahmen der menschenleeren Natur einen dramaturgischen Bogen, das Unglck der ursprnglichen Geschichte lsst sich erahnen. Zugleich tritt die filmische Abbildung der Landschaft selbst in den Vordergrund, wie eine leere Bhne, die zur Projektionsflche wird.
Tiller entwirft eine Studie, die in ihrer konzeptuellen Strenge ein weites Feld an Assoziationen ber Wahrnehmung, Darstellungsformen und ber die Konstruktion filmischer Rume ffnet."
(Andrea Pollach / sixpackfilm.de)

DATA FRAGMENTS FROM A RAPID DECLINE
BRD 2007
Regie: Tim Blu
Farbe
ohne Dialog
Laufzeit: 17 min

DATA FRAGMENTS FROM A RAPID DECLINE ist die Reprsentation einer Reprsentation: naturkundliche Dioramen einer Umwelt, die es so nicht mehr gibt, die selbst gleichfalls nicht mehr existieren und in ihrem Wiederaufleben" als filmischer Blick dennoch alles wie echt" abbilden. Diese Aufzeichnungen einer gefrorenen Zeit haben in ihrem Innehalten etwas bedrohlich Existentielles.

BRBEL ERZHLT EINEN FILM
BRD 2005
Regie: Karl Heil
Darsteller: Brbel Freund
Farbe
Sprache: Deutsch
Laufzeit: 2 min

BRBEL ERZHLT EINEN FILM ist eine kleine Versuchsanordnung: Wir erfahren alles ber eine Geschichte (genauer einige zentrale Szenen aus Abbas Kiarostamis "Der Geschmack der Kirsche"), die Erzhlung ist im Prinzip vollstndig, nur die Bilder scheinen keine solchen zu sein.

URSZENE
BRD 1981
Regie: Christine Noll-Brinkmann
Farbe
ohne Dialog
Laufzeit: 6 min

URSZENE konfrontiert den freudschen Blick durchs Schlsselloch mit seiner filmischen Verlngerung. Aus unserer jeweiligen Art die Bilder zu sehen, entstehen unverhoffte intime Details und wir ertappen uns zunehmend fter bei der Verlagerung unserer Gedanken aus dem Film in den Alltag.

(1) Falkenberg, Paul: Sound Montage: A Propos de Ruttmann. In: Film Culture Nr. 22/23, New York, 1961
(2) Dieter Daniels im Medienkunstnetz online (abgerufen am 9.3.2011)